Startseite
 Aktuelles
Nachrichten
Termine
Archiv
 Partei vor Ort
 Fraktion vor Ort
 Grundsätze
 Links
 Kontakt
 
2010-07-22   Greifswald Drucken
Sommerloch-Theater ums Theater: Höhere Grundsteuer soll das Theater retten?
Manfred Matschke

Greifswald im Sommerloch-Theater war mein erster Gedanke zum Vorschlag des fraktionslosen Bürgerschaftsmitglied Heyden. Laut Ostsee-Zeitung können sich DIE LINKE und CDU eine solche Grundsteuererhöhung zugunsten des Theaters "vorstellen". Die BÜRGERLISTE will sie mit Vorbehalten auch. B90/GRÜNE wollen hingegen die "Fremden" mit einer Zwangsabgabe pro Übernachtung schröpfen. Der Grundsatz der Nichtzweckbindung von Zwangsabgaben scheint unbekannt. Zwangsabgaben fließen in den Gesamthaushalt, nicht in einen Teilhaushalt. Bevor man mehr ausgibt, sollte die Schuldentilgung nicht vergessen werden.

Hat die Bürgerschaft nicht gerade in der letzten Sitzung einen Prüfauftrag an den Oberbürgermeister zur Theatersituation erteilt? Der erübrigt sich dann, wenn man den öffentlichen Geldhahn öffnet und sich im Vorfeld schon bereit erklärt, den städtischen Zuschuß zu erhöhen.

Wie sind die Fakten? Laut Haushalt 2010 betragen die Ausgaben für den Einzelplan 3 "Wissenschaft, Forschung, Kulturpflege" 10.835.400 €. Davon stehen dem Abschnitt 33 "Theater, Konzerte, Musikpflege" 8.192.000 € zur Verfügung, davon wiederum dem Theater 6.790.100 €. Das sind bezogen auf den Einzelplan 3 rund 63 Prozent. Der Zuschuß der Stadt für das Theater beträgt 3.119.000 €. Das sind fast 46 Prozent der Haushaltsausgaben für das Theater und 29 Prozent des gesamten Einzelplans. Hinzukommen Zuschüsse des Landes für diesen Zweck in Höhe von 3.631.300 €.

Der Kulturhaushalt der Stadt ist alles andere als ausgewogen. Dessen Mittel werden auf ein Projekt und damit auf eine kleine Gruppe von Bürgern konzentriert. Pro Einwohner machen die Theaterausgaben etwa 125 € im Haushalt 2010 aus. Diejenigen Bürger, die das Theater besuchen, erhalten folglich ein Vielfaches davon. Warum muß deren Freizeitverhalten dermaßen subventioniert werden? Sind diese besonders sozial benachteiligt? Gewiß nicht! Für die Volksbildung wie Volkshochschule und Stadtbibliothek werden hingegen nur 33 € pro Einwohner zur Verfügung gestellt. Die Ungleichgewichte im Kulturhaushalt sollten nicht noch mehr verschärft werden.

Die Lösung kann nicht darin bestehen, daß immer mehr Steuergelder für das Theater zur Verfügung gestellt werden. Richtig ist aber auch, daß die Ertrags- und Finanzsituation des Theaters schnelles und wirksames Handeln verlangt, um das Theater vor der Insolvenz zu bewahren.

Die Gewinn- und Verlustrechnung der Theater Vorpommern GmbH für das Jahr 2008 weist Erträge von ca. 16,1 Millionen € auf, darunter aber nur 1,9 Millionen € aus Umsatzerlösen.

Die Erträge, die von den Theaterbesuchern stammen, machen weniger als 12 Prozent der Gesamterträge aus. Die Struktur der Ertragssituation hat sich seit 2008 nicht verbessert. Sie muß sich aber drastisch verbessern, will man auf Dauer ein leistungsfähiges und damit ein attraktives Theater erhalten. Von Spartenschließungen oder Verkleinerungen halte ich nichts. Davon wird man auch kaum eine Attraktivitätssteigerung erwarten dürfen.

Das Theater braucht mehr Geld im Interesse seiner Leistungsfähigkeit, aber dieses Geld darf nicht von den Steuerzahlern kommen. Woher dann? Die Antwort ist einfach naheliegend: von den Theaterbesuchern! Im Interesse des Erhalts eines leistungsfähigen Theaters darf man keine Angst vor kräftigen Preiserhöhungen haben. Wenn die Leistungen des Theaters aus der Sicht der Besucher stimmen, dann werden sie diese Preiserhöhungen auch akzeptieren, weil sie ihr Theater erhalten wollen. Das vorzulegende Theaterkonzept muß daher nicht die Kürzungen in den Vordergrund stellen, sondern die Leistungsverbesserungen. Die Qualität des Theaters muß Zuschauer anlocken, die bereit sind, angemessene Preise zu zahlen. Das ist zugleich der einzige objektive Qualitätsmaßstab von Theaterarbeit. Qualität bestimmt sich aus der Sicht der Nutzer, nicht der Produzenten.

Eine weitere Erhöhung der öffentlichen Zuschüsse - über welche Zwangsabgabe auch immer finanziert - verbietet sich angesichts der bereits bestehenden gewaltigen Ungleichgewichte im Kulturetat. Die bisherigen öffentlichen Zuschüsse von ca. 13,8 Millionen € pro Jahr, die die Theater Vorpommern GmbH insgesamt erhält, stehen nicht in Frage. Aber das Ziel muß sein, die Deckungsquote aus Besuchereinnahmen auf 20 bis 25 Prozent der Aufwendungen zu steigern. Warum sollte dies unzumutbar sein? Warum sollte den Theaterbesuchern ihr Theater dies nicht wert sein, wenn die Qualität stimmt? Auch danach würde ein bestimmtes Freizeitverhalten weniger Bürger weiterhin massiv subventioniert. Warum ist dies sozial gerecht? Im übrigen: KUS-Paßinhaber würden weiterhin gefördert. Die soziale Tränendrüse braucht folglich nicht bemüht zu werden.



 

Zurück

Mitgliederbereich
Benutzername

Passwort

Video zum Bürgergeld
Das Bürgergeld ist ein soziales Modell, das Anreize für Arbeit schafft und den Bedürftigen hilft. Ein neues Video erklärt das Bürgergeld so, dass jeder versteht, worum es geht.